Februar 2020

Hotel Gartner

Von griechischer Mythologie und schwedischen Möbeln

Jetzt haben wir schon ein paar Tage nichts mehr voneinander gehört. Ich hätte Ihnen so gerne geschrieben, konnte aber nicht. Ich lag äußerst mitgenommen darnieder, unfähig meine sonst so wendigen Finger über die Schreib-Tastatur des Computers gleiten zu lassen. Schlimmes ist mir widerfahren. Eine schwere traumatische Erfahrung mit gesundheitlich niederschmetternden Folgen. Ich wurde ausgeknockt von einem schwedischen Virus der weltweit sein Unwesen treibt.

Sein Name lautet:

IKEA

IKEA hat mir einen K.O.-Schlag in die seelische Magengrube verpasst…

IKEA hat mir tagelange den Angstschweiß auf die Stirn treiben lassen

IKEA hat für eine Bewusstseins-Trübung mit gleichzeitiger Verwirrtheit und starken Wahnvorstellungen gesorgt

Ja, der skandinavische Möbel-Gigant ist daran schuld, dass ich lange Zeit bettlägerig war und jetzt erst nach intensiver ärztlicher Betreuung und entsprechender medikamentöser Behandlung wieder imstande bin mich an meine treuen Leser zu wenden, um von der Tragödie zu erzählen.

Nachdem es mir viele Jahre lang gelungen war - zum Teil mit fadenscheinigen Ausreden und unter Vortäuschung  falscher Tatsachen - einen weiten Bogen um das Einrichtungshaus zu machen, welches nicht ganz meinen Vorstellungen von schöner Wohnen entspricht, gab es dieses Mal kein Entrinnen. Der studienbedingte Umzug meiner großen Tochter von München nach Wien und der Bezug einer unmöblierten Wohnung verlangte Opfer.

Und das Opfer war ICH.

Die Einfahrt am frühen Morgen in die Tiefgarage, den Schlund des riesigen blau-gelben Monstrums Ikea, ließ bei mir Erinnerungen an die griechische Mythologie und den Abstieg in die Unterwelt aufkommen. Daran konnte auch ein großes Schild mit der Aufschrift ,,Willkommen, schön dass Du da bist“ nichts ändern. Da wäre mir der mythenumrankte Höllenhund Zerberus fast lieber gewesen.

Aber ich hatte ja keine Wahl!

Schlafzimmer, Couch-Abteilung, Tisch und Stuhl-Bereich, Lampen, Teppiche, Badezimmer, Küche, Geschirr… der Horror nahm kein Ende. Mit gesenktem Blick irrte ich fieberhaft durch die Räumlichkeiten, ständig den Blick auf den Industrieboden gerichtet, auf dem eine nie enden wollende Abfolge von Pfeilen Richtung Ausgang wies. Die Hinweise erinnerten mich an den berühmten Ariadnefaden, der angebunden am Eingang einst den griechischen Königsohn Theseus davon bewahrte sich im Labyrinth des Untiers Minotaurus zu verirren.
 
Das Glück zu Überleben war nach acht Stunden im schwedischen Guantanamo auch mir beschieden. Aber auch ich musste zuerst eine Bestie besiegen. Diese präsentierte sich uns in Gestalt einer polnischen Ikea-Verkäuferin, die sich aufgrund technischer Unzulänglichkeiten außerstande sah unsere Einkäufe in den Computer einzugeben und ihrem Unmut darüber mit drohender Faust Ausdruck verlieh.

Nachdem ich den Drachen erlegt hatte, wankte ich bewaffnet mit meiner VISA-Karte zur Kasse. Hinter mir zog mein Töchterchen drei prall gefüllte Einkaufswagen hinter sich her. Mir fehlte die Kraft ihr zu helfen.

Als wir das Möbelhaus verließen, dunkelte es bereits wieder. Einzig der Gedanke, dass noch drei Jahre vergehen werden, bis mein zweites Kind sein Studium beginnt und ich wieder zu IKEA muss, hielt mich noch aufrecht.

Dann verlor ich das Bewusstsein!

Als ich wieder aufwachte, hieß ich das Leben mit folgenden Alben willkommen:

Algier: ,,There is no year”
Nas: ,,Illmatic”
Scritti politi: ,,Cupid&Psyches”
Mura Masa: ,,R.Y.C.”