April 2019

Hotel Gartner

Treffen auf der Psychocouch: Eine Nachbetrachtung

Ich sitze gerade in meinem Büro und lausche der Stille. Zwischendurch höre ich ein leichtes Fiepen hier, ein sachtes Knarzen dort, ein kleines Rattern unbekannter Herkunft lässt mich kurz von meinem Tagtraum hochschrecken, bevor ich wieder in meinen Energie-Sparmodus schalte.

Es ist vollbracht! Der Umbau unseres Hotels ist zu Ende. Ich kann es noch gar nicht glauben. Mein Handy hat schon drei Minuten nicht mehr geklingelt, den Horrorsatz: ,,Herr Gartner, darf ich kurz stören, nur eine Frage”, habe ich auch schon seit Stunden nicht mehr gehört. Der blutrote Mond der in der Mythologie seit Jahrtausenden als Bote des Unheils gilt hat endlich wieder seine normale Farbe angenommen. Niemand erzählt mir jetzt wo, wann und wer gerade auf der Baustelle welchen Fehler gemacht hat und was mich das jetzt zusätzlich kosten wird. Keine schweren Arbeiterstiefel verfolgen mich in meinen zeitweise zur Wirklichkeit gewordenen Alpträumen.

Ach ist das schön! Ich fühle mich so gut. Fast wieder der Alte!

Ein bisschen Therapie braucht es aber schon noch. Bitte nehmen Sie mit mir Platz auf der Psycho-Couch und lassen Sie mich erzählen. Haben Sie etwas Nachsicht mit mir. Ich brauche das jetzt…

Lassen Sie mich berichten von der Firma, die es wirklich geschafft hat sage und schreibe dreimal die falsche Farbe auf unsere Türen aufzutragen. Der Verantwortliche dafür hat meines Wissens Südtirol mittlerweile verlassen und lebt irgendwo auf der Welt, ständig auf der Flucht und voller Angst vom Handwerker-Mob der seine Fehler ausbaden musste gelyncht zu werden.

Sie wollen sicher auch hören, wie Möbel-Hersteller zu hohe Tische und zu kurze Stuhlbeine produziert haben. Oder wie sich während des Umbaus herausstellte, dass die Fenster zu dünn fabriziert worden sind und allesamt noch kurz vor Saisonbeginn ausgetauscht werden mussten.

Darf ich Ihnen vorstellen: Hier kommt in meinen Erinnerungen der Gärtner um die Ecke, der mit seinem Schubkarren über den frisch verlegten Parkett sprintet, um etwas Zeit und Weg zu sparen. Ach ja und einer meiner Lieblinge, der kettenrauchende Fliesenleger, der seine Zigaretten am liebsten in der neuen Sauna ausdrückte. Eine Erwähnung verdient sich auch der Tischler, der einem Terminator gleich mit gezückter Bohrmaschine zweimal an derselben Stelle Löcher in die Fliesen bohrte, obwohl dort gar keine Öffnungen vorgesehen waren. Kein Problem, dann tauschen wir die Fliesen halt wieder aus und gehen bei dem Wahnsinnsspiel zurück auf los!

Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die Reinigungskräfte am Rande des Nervenzusammenbruchs, nachdem zum x-ten Mal ein Handwerker mit irrem Blick durch die soeben blank gewienerten Räume gelaufen ist.

Man könnte immer weiter machen mit Geschichten und Anekdoten rund um den ,,Wahnsinn Baustelle”, aber die Psycho-Stunde geht jetzt zu Ende und ich habe heute noch Termine. Ich treffe mich mit ein paar Handwerkern.

Zur Nachbetrachtung!


Zur Entspannung höre ich aktuell folgende Alben:

Landgren: ,,4 Wheel Drive”

Die Regierung: ,,Was”

Andrew Bird: ,,My finest work yet”

Lambchop: ,,This (is what I wanted to tell you)”