September 2019

Hotel Gartner

Proleten-Tsunami in Venedig. Das schreit nach Strafe!

War seit längerem mal wieder in Venedig. Grund war der Besuch der Kunst-Biennale. War wieder cool. Gedankenanregend, inspirierend, fordernd…

Tja, das ist aber auch schon der angenehmste Teil des heutigen Textes.

Es gibt nämlich anderes zu Besprechen. Leider nix Gutes!

Heute ist Mecker-Time!

Kann mich immer noch nicht beruhigen über das, was ich in der Lagunenstadt fernab von ,,Giardini” und ,,Areale” den Hohetempeln der internationalen Kunstszene gesehen habe.

Die Invasion der Proleten!

Die Masse hat die Macht ergriffen!

Fürchtet Euch Ihr Touristen, die Ihr noch einen Hauch von Anspruch und Geschmack in Euch tragt!

Wie schon der Philosoph Elias Canetti in seinem Werk ,,Masse und Macht” analysiert hat, ist die auffälligste Eigenschaft der Masse die ,,Zerstörungssucht”.

Kann ich nach den jüngsten Erlebnissen nur bestätigen. Menschen die tatsächlich mit heruntergelassener Hose in die Kanäle pinkeln, ihre verfetteten Körper freizügig zur Schau stellen oder ihren Müll hemmungslos am Markusplatz ablagern.

Habe ich alles selbst gesehen, während ich mich entsetzt durch die engen Gassen der Dogenstadt schlängelte, stets darauf bedacht ja mit keinem der tausenden schweißnassen Touristenkörper in Kontakt zu treten.

Kein Wunder, dass viele Venezianer ihrer Heimatstadt den Rücken kehren und ihr Domizil anderswo suchen.

Erst seit kurzem gelten in den italienischen Urlauberhochburgen eigene Verhaltensrichtlinien deren Missachtung drakonische Strafen mit sich zieht. Wer beispielsweise sein Hinterteil auf der spanischen Treppe in Rom parkt und von einem Ordnungshüter dabei ertappt wird, muss 400 € Strafe an die Stadtverwaltung entrichten. Die Regeln gelten jetzt für alle großen Touristenstädte Italiens.

Hart, aber wohl unausweichlich.

Beeinflusst von den venezianischen Prolo-Impressionen habe ich nun beschlossen einen eigenen Strafenkatalog zu entwerfen, der in Venedig vieles zum Besseren wenden soll.

Voilà, hier kommen (mit einem Augenzwinkern…) meine Vorschläge, um dem furchtbaren Massentourismus Einhalt zu gebieten!

1. Die Touristen werden verpflichtet in den Sommermonaten eine Schwitz-App auf ihr Handy zu laden. Übersteigt die Transpiration ein bestimmtes Maß und gibt es Hautkontakt mit einer anderen Person werden jedes Mal sofort 20 € zugunsten des Forschungsinstitutes ,,Schwitzen mit Grenzen” fällig.

2. Wer mit seinem unförmigen Körper die Aussicht auf die wunderschönen Jachten am Hafen versperrt muss zur Strafe mit seinem C&A -T-Shirt das Deck der Superreichen-Boote schrubben.

3. Wer nicht mindestens fünf wunderschöne venezianische Masken und drei von den phantastisch bunten Murano-Glasskulpturen erwirbt, wird mit einem Venedig-Einreiseverbot für zehn Jahre belegt. Der Ertrag aus den Verkäufen geht dann an die Organisation ,,Emigrierte Venezianer zurück in die Lagune”.

4. Wer nicht vor seinem Venedig-Besuch eine schriftliche Erklärung unterzeichnet mindestens 500 € in der Stadt auszugeben, muss das bunte Treiben am und um den Markusplatz herum mit einem Feldstecher vom sehr einladenden Industriegebiet Mestre aus beobachten.

5. Wer seinen Müll nicht ordnungsgemäß entsorgt kommt sofort auf die Liste derjenigen, die am nächsten Segeltörn mit Greta Thunberg teilnehmen müssen. (Venedig – Antarktis - hin und zurück).

Ja, wie Sie sehen, es mangelt mir nicht an Ideen.

Bis diese greifen heißt es halt: ,,Augen zu und durch”.

Oder zu Hause bleiben.


Musikalisch getröstet habe ich mich vom Schock mit folgenden Alben:

Bon Iver: ,,I,I”
Bill Ryder-Jones: ,,Yawny Yawn”
Murder Capital: ,,When I have fears”