Juli 2019

Hotel Gartner

INSTAGRAM: Der Teufel sitzt im Inter-Netz

Neulich kam ich am Abend nach meiner Arbeit im Hotel nach Hause. Müde aber guter Dinge öffnete ich die Tür zu unserem Haus und sah erschrocken meine Frau am Wohnzimmertisch sitzen, aschfahl im Gesicht mit blutunterlaufenen Augen. ,,Schatz, was ist los mit Dir? Geht’s Dir nicht gut” rief ich, ,,brauchst Du Hilfe?” Sie sah kurz von ihrem Mobiltelefon auf, das ich erst jetzt im Licht der Wohnzimmerlampe in ihren Händen schimmern sah und murmelte nur ein Wort:

,,INSTAGRAM.”

Nachdem ich ihre Stirn liebevoll mit einem feuchten Tuch abgetupft hatte, erholte sich mein holdes Weib etwas und sprach die nächsten bedeutungsschwangeren Worte: ,,Was soll ich bloß posten? Unsere Gäste warten auf Neuigkeiten.”

Spätestens jetzt wurde mir bewusst in welch verfahrener, schwieriger, fast aussichtslosen Position wir uns befanden. Das Posting-Bachbett, das unsere Marketingagentur für uns ausgehoben hatte und das es im zwei-dreitägigen Rhythmus zu füllen galt, drohte auszutrocknen.

Ein großes Problem!

Kein Posting-Fluss = Kein Wasser auf den Werbemühlen = Keine Kohle für vier hungrige Familien-Mäuler!

Existenzangst wurde meiner habhaft!

Herrje, oh Schreck, entfuhr es mir und ich begann sofort fieberhaft in meinem Ideen-Schrank zu wühlen, um meine Gattin schnell wieder glücklich zu sehen.

INSTAGRAM.

Du Teufel, was werfe ich in deinen feurigen Schlund?

Ein Foto von meinem unglaublich durchtrainierten, nackten Oberkörper? Nein, zu unsittlich. Außerdem könnte da bei den Usern Neid aufkommen.

Unsere neue Hotel-Mülltonne im Glanz des ersten morgendlichen Sonnenstrahls? Nö, zu abgefahren.

Der Ameisenschwarm, der seit neuesten immer wieder unser privates Badezimmer invadiert? Zu tierisch.

Tanzende Sekretärinnen am Rezeptionspult? Shit, könnte Probleme mit der Gewerkschaft geben.

Der Chefkoch beim Auspeitschen des indischen Spülers. Verdammt nein, viel zu rassistisch!

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Ich hasse dich! Was soll ich bloß tun?

Meine Frau hatte inzwischen begonnen immer schwerer zu atmen und sah mich verzweifelt an mit ihren Augen, die mir in den vergangenen Jahren so viel Liebe geschenkt hatten und mich nur durch ihr Strahlen von der Last und dem Leid des Lebens befreit hatten. Jeder Glanz drohte daraus zu entschwinden.

Plötzlich überkam es mich: Ein Blitz am Horizont der nun gedankenschnell zur rettenden Idee mutierte: Dem Teufel kann nur ein Engel siegreich begegnen. Unsere Nachbarin, ein gottesfürchtiges Wesen und eine eifrige Kirchgängerin. Sie sollten wir fotografieren! In einem Hotel-Gartner T-Shirt live im Betstuhl. Juhu, das war die Lösung!

Gott sei Dank! Still umarmte ich meine Frau. Wir waren dem Teufel im letzten Moment von der Schippe gesprungen!

Bis zum nächsten Mal!

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Musikalisch tröstete ich mich in dem schweren Moment mit:

Damon Lochs: ,,Black Monument Ensemble”
Faye Webster: ,,Atlanta”
,,Millionaires Club”
Bill Callahan: ,,Shepherd in a sheepskin vest”