November 2019

Hotel Gartner

Im Bett mit John und Yoko – Eine ganz persönliche Psychoanalyse

Montag der 10. November.

Unser Hotel ist seit einer Woche geschlossen.

Ich melde mich heute direkt aus meinem Bett. Habe selbiges in den vergangenen Tagen kaum verlassen. Eigentlich nur zur Nahrungsaufnahme und zur Wahrnehmung meiner - zugegebenermaßen ausgeprägten - hygienischen Bedürfnisse. Habe viel gelesen, sehr viel gestreamt, mir demzufolge eine Serie nach der anderen reingezogen und noch mehr geschlafen. Kontakt zur Außenwelt hatte ich so gut wie keinen.

Spinnt der Mann jetzt, werden Sie sich fragen. Hat der noch alle Tassen im Schrank? Warum erzählt er uns das? Glaubt er gar er sei die Reinkarnation von John Lennon, der im Rahmen der berühmten ,,Bed-Ins” im Frühjahr 1969 sein Bett tagelang nicht verlassen hat? Wie viel Aufmerksamkeit braucht dieser Mensch eigentlich?

,,Nein!”, rufe ich meinen treuen Lesern zu. ,,Seien Sie unbesorgt, ich bin bei vollem Verstand.” Mehr oder weniger. So wie sonst halt auch.

Nur viel, viel erschöpfter.

Warum dann das Gejammer? Was ist passiert?

Habe gerade eine Hotel-Saison hinter mich gebracht. Die Arbeit ist - das kann ich Ihnen flüstern - nicht ohne… Viele Menschen, viele Stunden, maximale Flexibilität, Adrenalinschübe inklusive. Cool und intensiv, abwechslungsreich und spannend zugleich.

Ich liebe es!

Trotzdem braucht man irgendwann schon mal seine ganz persönliche Auszeit. Und die gilt es jetzt zu nutzen.

Was den Vergleich mit dem guten John anbelangt, der hinkt natürlich. Meines Wissens ist der Ober-Beatle damals tagelang in der Kiste geblieben, um gemeinsam mit seiner Yoko Ono für den Weltfrieden zu demonstrieren. Beobachtet von einer großen Schar von Journalisten. Ich hingegen suche nur nach meinem Seelenfrieden. Und Journalisten gab es in meinem Fall (außerhalb des Schlafzimmers natürlich) nur einen.

Der Reporter eines lokalen Radiosenders hat mich nämlich vor kurzem zum Thema: ,,Hoteliers und ihr Leben nach Saison-Schluss” befragt.

Mitteilungsbedürftig wie ich nun mal bin, habe ich ihm mein Herz geöffnet und ein paar lässige Sprüche bezüglich meines postsaisonalen Erholungsprogramms durch den Äther hinaus in die Südtiroler Welt geschickt. Weiß nicht, ob das schlussendlich irgendwen interessiert hat, aber wenigstens habe ich mir damit den Psychologen erspart.

Um in den nächsten Wochen vollends zu gesunden, möchte ich nun auch meine Gäste und Leser in eingeschränkter Form an meinem Leben teilhaben lassen und ihnen folgende Informationen zukommen lassen:

Ja, ich beabsichtige das Bett demnächst auch wieder zu verlassen (Fotos dazu - im bekleideten Zustand natürlich - auf Instagram).

Ja, ich werde auch mein soziales Leben wieder auf Vordermann bringen (Siehe obere Zeile).

Ja, ich beabsichtige zu verreisen (Keine Bilder, außer ,,Gala” und ,,Bunte” melden sich bei mir).

Nein, E-Mails lese ich im Moment keine (Das erledigt zum Glück meine Sekretärin).

Ja, ich treffe mich in absehbarer Zeit wieder mit Handwerkern, Innenausstattern und Möbeldesignern (Aber erst gibt es einen verkürzten, intensiven Winterschlaf).

Sollten noch irgendwelche Fragen offen sein, empfehle ich Ihnen einfach Radio zu hören ;-)


Bis bald!

Ihr Florian Gartner