Oktober 2019

Hotel Gartner

Es fliegt, es fliegt, es fliegt…. der Spießer

Ich kann es nicht glauben. Jetzt war ich Zeit meines Lebens ein ordentlicher, braver, gesetzestreuer Bürger und dann-in fortgeschrittenem Alter- drohe ich zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

ANGST. SORGE. PANIK.

Echt. Wirklich wahr. Ich bin richtig erschüttert!

Wer meine Blogs liest, weiß dass erst vor zwei Wochen ein einzelner verwirrter Hausgast aus einem naheliegenden Hotel empört nach der örtlichen Polizei rief, als zu nachtschlafender Zeit kurz vor 20.00 Uhr der lässige Soundtrack einer Hotel-Gartner-Modeschau an seine - (wahrscheinlich durch Musik von Richard-Clayderman beeinträchtigte) - Ohren drang. Der Ruf verhallte zum Glück ungehört in der Dorf Tiroler Nacht, weil entweder die Gesetzeshüter selbst schon schliefen, oder schlicht und einfach kein Interesse am mit dem schönen Leben hadernden Spießer hatten. Wahrscheinlich war es eine Mischung von beiden.

Tja, die Geschichte wäre ja relativ schnell in Vergessenheit geraten, wenn ich nicht heute schon wieder beinahe im Knast gelandet wäre. Da wurde mir so richtig bewusst wie nahe Heil und Unheil, Glück und Unglück, Krieg und Frieden beieinander liegen können.

Das Leben ist wahrlich eine Gradwanderung. Das sollte man wissen, bevor man einfach so zu leben beginnt.

Puuuh, ich muss jetzt erst mal durchatmen, bevor ich Ihnen weiter erzähle.

Bin gerade innerlich so aufgewühlt!

Als ich heute frühmorgens gut gelaunt und nichtsahnend zur Arbeit erschien stürmte mir bereits vor dem Genuss der ersten marmeladeschwangeren Frühstückssemmel der Mitarbeiter eines Produktionsteams entgegen, der von mir beauftragt worden war mit einer Drohne Luftaufnahmen vom Hotel durchzuführen. Stark eingeschüchtert und entsprechend irritiert berichtete er, dass er aufgrund seiner Tätigkeit soeben von einer ihm unbekannten Person beschimpft und in die Luft(Schranken) verwiesen worden sei. Man habe ihm mit der Polizei gedroht, solle er weiterhin unerlaubt durch die Gegend filmen.

Oh weh, die Polizei. Mir wurde Angst und Bange. Gerade jetzt, kurz vor Saisonsende und den bevorstehenden Ferien wollte ich keine Risiken mehr eingehen. Eiskalte Gefängniszelle mit harter Pritsche  statt Urlaubs-Hotelzimmer und weichem Daunenbett, Brot und Wasser statt fangfrischem Fisch und gekühltem Champagner… um Gottes Willen. Nie und nimmer durfte ich das süße bevorstehende Nach-Saisons-Leben gefährden.

Schnell wies ich den Filmer an, noch eine kleine Kamera-Runde zu drehen (dabei Dach und Ziegel von benachbartem Haus und Mensch auszusparen) und dann sein Gerät unter dem imaginären ,,Maschendrahtzaun“ (bitte zum besseren Verständnis dieses Hinweisen den Suchbegriff bei ,,Youtube“ unter Stefan Raab und Richterin Barbara Salesch eingeben) zu verstecken.

Bei Eintreffen der Polizeigewalt müssten sämtliche Beweise unauffindbar sein. Schweißgebadet harrte ich dann der Dinge, die da kommen würden. Nach 16 Stunden bangen Wartens hörte ich dann auf zu hyperventilieren und beruhigte mich langsam wieder. Die Carabinieri waren nicht im Hotel Gartner erschienen. Wahrscheinlich schliefen sie noch (oder schon wieder).

Das Schicksal hatte es noch einmal gut mit mir gemeint. In Zukunft aber werde ich mich hüten das Spießertum herauszufordern.

Man weiß ja nie…

Musikalisch siehts im Monat Oktober folgendermaßen aus:

Unbedingt Nick Cave: "Ghosteen“ hören, immer und immer wieder. Grandios!
Ansonsten zur Erhaltung des Spießertums "Maschendrahtzaun“ von Stefan Raab.