November 2019

Hotel Gartner

Deutschland schüttelt seinen Speck: Ein Konzert-Besuch

Gestern war ich tanzen.

Wo? In München. Olympiahalle.

Warum? Ja, weil Seeed in der Stadt war, die Berliner Reggae/Dancehall-Band, die im Moment mal wieder in aller Munde, äh, aller Beine ist.

Mit wem? Mit 15.000 deutschen Feierbiestern, die so richtig Bock zum Abtanzen hatten.

Und Ich? Zwei Stunden gekonnte Moves in die Nacht gezeichnet, die mich schlagartig 25 Jahre jünger gemacht haben.

Ja, so schaut’s aus! Ich war richtig gut drauf. Kein Wunder bei dem Super-glücklich-machenden-Ober-Happy-Sound.

Sie wissen nicht wovon ich rede? Keine Ahnung von POP-Musik? Dann wird es Zeit mal wieder ne Konzert-Kritik von mir zu lesen und auch meine Musik-Tipps genauer unter die Lupe zu nehmen. Schreibe ich ja nicht einfach so zum Spaß. Alles nur Ihnen zuliebe trotz Tinnitus-Gefahr einerseits und ansteckendem Jugend-Wahn andererseits. Da kann man sich schon etwas mehr Aufmerksamkeit erwarten.

Alles klar? Also dann: Ab dafür…

Die 11 Jungs von Seeed geben in Deutschland aktuell Vollgas und bringen die Konzert-Hallen auf Reggae-geile Jamaika-Temperatur. Sogar im Volksmusik-lastigen Bierzelt-Bayern. Mal Marihuana-Feeling statt Brezeln-Bauchweh. Soll auf Dauer auch gesünder sein.

Die ausverkaufte Münchner Halle und das hippe Publikum hatte gestern natürlich seine Hausaufgaben gemacht. Die Hits vom neuen Album ,,Bam Bam” (der Name ist Programm…) wurden textsicher mitgesungen, während man sich Knoten in die eigenen Beine tanzte. ,,Komm in mein Haus”, ,,Geld”, ,,Lass das Licht an”, ,,Ticket” und ,,No more Drama”. Songs aus früheren Zeiten wie ,,Wonderful life” und Peter Fox’s ,,Schüttel deinen Speck” machten Jugend und Nostalgiker gleichermaßen heiß, während der Tanz-Schweiß in Strömen floss.

Nicht minder lässig als die zahlreichen Mitsing-Nummern und die kunterbunte Wohlfühl-Choreo war das Bühnenoutfit der beiden Rampen-Säue Pierre Baigory alias Peter Fox und Frank Delle. Der eine im strammen blauen Gehrock, der andere im gelben Samt-Anzug.
 
Ja, Leute, so hat man auszusehen, wenn man den Abend richtig entertainen möchte. Hoch das Bein und ab geht die Post während ein Hit den anderen jagte ,,Sie ist geladen” mit Gast-Sängerin Nura, ,,What a day”, ,,Lass Sie gehen”, ,,Immer bei Dir”, und, und, und… Zeremonienmeister Baigory dirigierte die Tanz-fiebrige Menge bis zur letzten Zugabe.

Als ich die Halle verließ, feierten die Menschen noch vor der Halle weiter in der Herbst-kalten Münchner Nacht.

Kommt auch nicht alle Tage vor!

Auf dem Weg zur U-Bahn pfropfte ich mir - immer noch Musik-hungrig - meine iPod-Stöpsel ins Ohr und drücke auf die Zufallstaste.

,,Deutschland, Deutschland, spürst Du mich? Heut Nacht komm’ ich über dich. Das macht Spaß?! Das macht Spaß, das macht Spaß”, singt da NDW-Opa Markus. Lange nicht mehr gehört.

Wenn das nichts zu bedeuten hat…


Aktuell empfehle ich Ihnen folgende Alben (und wehe Sie hören sie nicht…):

Die Toten Hosen: ,,Alles ohne Strom”
Tindersticks: ,,No treasure but hope”
Bonnie Prince Billy: ,,I made a place”
Voodoo Jürgens: ,,S’klane Glücksspiel”
Faber: ,,I fuckig love my life”