Februar 2019

Hotel Gartner

Auszeit für den Stil: Es muss nicht immer Klasse sein!

Sind Sie Musikliebhaber? Schauen Sie sich gerne Filme auf DVD’S an oder streamen Sie lieber  im Netz? In diesen Fällen kennen Sie sicher die Aufkleber mit denen Tonträger bzw. Filme versehen werden, wenn Texte und Szenen nicht ganz jugendfrei bzw. anstößigen Inhalts sind. ,,Parental Advisory Explicit Content“ heißt es dort. Altersfreigabe und PIN-Codes helfen Minderjährige vor drohender moralischer Verderbtheit zu schützen.

Ich befürchte sowas brauchen wir bei meinem heutigen Blog auch. Mein Rat für heute: Verwehren Sie ihrem Sprössling den Internet-Zugang und schieben Sie schwarze Balken vor die folgenden unflätigen Begriffe.

Ich erzähle Ihnen jetzt nämlich von meinen Erlebnissen am vergangenen Wochenende.

Gehen wir das Ganze chronologisch an. Am Freitag fuhr ich wie so oft nach Bozen, um abends einem Handballspiel des Südtiroler Spitzenreiters in der italienischen Serie A beizuwohnen. Alleine, entspannt und sportlich fokussiert. Hätte ich zum Zeitpunkt meines Starts gewusst, welche Sitzpartner der Sportgott im Stadion für mich vorgesehen hatte, hätte ich sogar das Fernsehprogramm von RTL und VOX für die Abendunterhaltung in Betracht gezogen. Das Glück dieser Vorinformation war mir allerdings nicht beschieden.

Kurz vor Spiel-Beginn brach das Unheil nämlich mit großem Getöse über mich und viele weitere Zuseher herein. Hauptdarsteller: Ein unglaublicher Neureich-Prolo Marke Robert Geissen und seine attraktive Gattin, ihrerseits ein Abziehbild von Verona Pooth, nur in billiger. In ihrer Begleitung befand sich der Haussklave des gönnerhaft auftretenden Dorf-Patriarchen und dessen relativ unscheinbare Begleiterin. Und dann begann der irritierende Solo-Auftritt des Sportfans. In einer Lautstärke von gefühlt 120 Dezibel erklärte der Dummschwätzer seinem Adlatus die Spielregeln der Handball-Partie, gab ungefragt sämtliche Informationen über Gehälter der Spieler und deren amourösen Abenteuer (oh, lal, la…) zum Besten und trieb damit gar einigen der Tribünenbesucher die Schamesröte ins Gesicht. Seine Ausführungen wurden immer wieder mit emotional äußerst aufgewühlten Beleidigungen für den Schiedsrichter (Schwuchtel…), die gegnerischen Spieler (fi…euch doch selbst…) und einem interessanten Sortiment an italienischen Flüchen (Porco Dio, Dio Cane,…) unterbrochen. Seinen Begleiter wusste der Proleten-Hero mit lautstarken, detailgenauen Informationen über seinen umsatzstarken Betrieb zu begeistern. Das freute auch die Frau an seiner Seite (origineller weise Schatzi genannt), die sich an den immer zudringlicher werdenden  körperlichen Annäherungen ihres Angetrauten verlustierte.

Es war ein Spektakel! Schade dass gerade kein Kamerateam von Beate Uhse vor Ort war. Das hätte einen vielversprechenden Erotik-Streifen abgegeben. Und dann noch mehr Kohle in die prall gefüllte Kasse des umtriebigen Unternehmers gespült.

Als ob dieses Erlebnis noch nicht gereicht hätte fand das etwas unkultivierte Wochenende am darauffolgenden Tag seine Fortsetzung. Beim Besuch eines Rockkonzerts Innsbruck geriet ich inmitten der tobenden Menge unbeabsichtigt zwischen ein junges Liebespaar, das seine samstäglichen Balz-Ambitionen in den Musik-Club verlegt hatte. Die körperliche Hygiene war im Vorfeld etwas  vernachlässigt worden und ich musste aufgrund der Enge des Raumes gewaltig darunter leiden. Bezüglich der vielseitigen Verbalerotik, welche an mein sensibles Ohr drang konnte ich hingegen profitieren.

Man lernt schließlich nie aus! Und, um der Banalität die Krone aufzusetzen: Kein Nachteil ohne Vorteil!

Unterm Strich war auch dieses Erlebnis leicht irritierend, aber langweilig war das Week-End dann doch nicht.

Und auf RTL hätte es sicher nicht so echt gewirkt!


Zur Erholung von den Freizeit-Strapazen hörte ich zuhause folgende Alben:

The Specials: ,,Encore“
Donovan ,,Retrospective“
The handsome family: ,,Twilight”