Mai 2019

Hotel Gartner

Auf einen Snack mit Goethe! Bildung als Happen zwischendurch (Niveau Kapitel I)

Habe heute wieder mal meinen Goethe aus dem Regal geholt. Torquato Tasso… Anflug von Wissenswahn. Kommt gelegentlich vor. Gegen den geistigen Hunger zwischendurch… Ein Bildungs-Bifi sozusagen. Maxi-Durchblick statt Mini-Salami. Tja, so bin ich halt, immer scharf auf den geistigen Überblick. Dafür werde ich von meinen Lesern geliebt. Und für meine makellosen Manieren.

He, he…(Wo wir schon bei Appetithäppchen sind: War mal wieder ein bisschen Zeit für etwas Angabe)!

Have a break, have a kokett kat!

Aber zurück zum Thema. Wird ja heutzutage immer weniger mit der Noblesse. Kinderstube ist out, der Weg führt eher in den Laster-Keller.

Erlaubt ist was sich ziemt! Heißt es bei Goethe. Mag ja sein guter Wolfi, aber wenn man nicht mehr weiß was sich ziemen heißt, kann man sich auch all das erlauben was einfach nur nervt.

Sie wollen wissen warum ich mich heute diesem Thema widme? Muss ich Ihnen erzählen. Leider!

Hatte in letzter Zeit einige Begegnungen der ungebildeten Art.

Das Ganze begann mit einer Unterrichtsstunde, die ich an der örtlichen Hotelfachschule hielt. Während ich so peripatetisch durch das Klassenzimmer spazierte, meinen Schülern Informationen vermittelte und mir selbst lauschte, fiel mein Blick auf eine Studentin, die mit angewinkelten Beinen auf einem Stuhl saß und sich während meiner Ausführungen ihre Fußnägel lackierte. Ich konnte es nicht glauben. Fuß-Ästhetik statt Hirn-Kosmetik. Ich war entsetzt! Während mein Gesicht schlagartig dieselbe Farbe annahm wie des Zöglings Fußnagel, erinnerte ich mich der Worte des italienischen Dichters Giacomo Leopardi, der da sprach: ,,Fast alle Menschen, die etwas taugen haben schlechte Manieren”. Mit Hilfe dieser Worte gelang es mir meine Wut zu unterdrücken. Was blieb mir auch anderes übrig? Schließlich glaube ich an die Jugend. Sogar in solchen Momenten.

Auch wenn mich ein weiterer Jugendlicher jüngst wieder arg auf die Probe stellte angesichts seiner personifizierten Unbildung. Bei einem Vorstellungsgespräch für eine Kellner-Stelle im Hotel betrat der junge Mann mein Büro, ohne sich seiner schwarzen Sonnenbrille zu entledigen. Während des gesamten Gesprächs schmückten selbige weiter seinen Gesichtserker. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hätte ich annehmen können, der Mann sei mit trauriger Blindheit geschlagen gewesen. Ein Stevie Wonder des Besteckes, ein Ray Charles des gepflegten Tellers… Oh Schock! Ich glaube das Ende der Geschichte ist Ihnen klar: Der Kellner wird anderswo sein Unwesen treiben. Goethe war wohl nicht so sein Ding!

Bevor ich Sie in den Abend entlasse (als gebildeter Blog-Leser haben Sie heute sicher noch Karten für ein Konzert, fürs Theater oder ein Kleinkunst-Festival…) muss ich Sie aber noch über eine Unart informieren, die aktuell schneller zu verbreiten scheint als Ebola in West-Afrika: Die Unsitte des Duzens! Warum sprechen mich seit einiger Zeit immer mehr Menschen mit dem lässigen Du statt mit dem förmlichen Sie an. Und diese Menschen waren wohlgemerkt keine Engländer. Irgendwie scheint auch in der täglichen Kommunikation miteinander ein regelrechter Sprach-Missbrauch stattzufinden. Ist ja gut, dass ich so jung aussehe, dass man mit mir (with you…) Pferde stehlen möchte, aber man kann ja alles übertreiben.

So, jetzt habe ich genug geschimpft für heute. Ich mache Schluss! Ich muss heute noch ein bisschen Oscar Wilde lesen.

Bis bald! Ihr Florian Gartner

Musikalisch stehe ich im Moment auf folgende Scheiben:

Vampire weekend: ,,Father of the bride”
Pete Doherty & the Puta Madres: ,,Pete Doherty & the puta madres”
Cage the elephant: ,,Social cues”