Oktober 2018

Von coolem Punkrock, harten Zeiten und gestreiften Hemden

Ich gehe für mein Leben gerne auf Konzerte. Weiß jeder der meinen Blog liest. Ich bevorzuge junge Bands und neue Musik. Alt ist sehr oft sehr langweilig. Also gilt es der Jugend zu lauschen. Es gibt viel Spannendes und Experimentelles da draußen in der großen, weiten Welt des Hip Hop und der elektronischen Musik.

Tja so ist das!

Denn meine alten Lieben Punk und Rock sind tot oder liegen in den letzten Zügen. Ich weiß es, denn ich war auf einigen Beerdigungen.

Ab und zu tauchen im Konzertkalender aber doch in die Jahre gekommene musikalische Weggefährten auf, die man noch nicht live erlebt hat und die immer noch einen kleinen, aber wichtigen Platz im eigenen Gehörgang haben. Und die es sich eventuell verdienen doch noch gehört zu werden.

So auch vergangene Woche. Als ich las, dass eine meiner Lieblingsbands aus jungen Jahren in Münchens ,,Backstage“ auftritt sagte ich zu meiner Rockerbraut: ,,Lass uns schnell dahindüsen, die Fehlfarben gehen auf ihre letzte Tour. Spielen „Monarchie und Alltag“. Das vielleicht beste deutsche Album aller Zeiten.“

Meine Frau, cool wie immer, hatte keine Ahnung wovon ich da faselte, nickte aber und sagte nur zwei Worte: ,,Warum nicht?“.

Gesagt, getan.

Und da waren sie dann, der Vater der deutschen Punk-Szene Peter Hein und seine Kumpanen. Nicht mehr ganz taufrisch (das hatten sie übrigens mit ihrem Publikum gemein), aber immerhin noch am Leben.

Mehr oder Weniger.

„Das sind Geschichten“, ,,Militürk“, ,,Ein Jahr (Es geht voran)“, ,,Paul ist tot“, ,,Angst“, Hier und jetzt“. Ein Song besser als der andere. Und ,,Grauschleier“ das Lied mit dem geilsten Satz der deutschen Musikgeschichte. „Ich kenne das Leben, denn ich bin im Kino gewesen“ sang Hein schon 1980. Und der ewig durchgeknallte, heute etwas derangiert wirkende Bandleader sang es wieder. Fast vierzig Jahre später.

Ein großer Revoluzzer-Moment nun halt im Altersmodus.

Dass er das Leben in all seinen Kino-Facetten kennengelernt hatte war im deutlich anzusehen. Der Punk in Hein war allerdings noch vorhanden. Nach dem Motto:  Ein bisschen gestreckter Mittelfinger geht immer. Auch mit Anfang 60. Mit etwas Punk-Attitüde kann man die alten Fans eben auch heute noch begeistern. Und getreu dieser Lebens-Einstellung rotzte die deutsche Musik-Ikone ihre Hits in die Münchner Menge. Das gestreifte Spießer-Hemd und die Pseudo-Gucci-Loafer mochten da nicht recht dazu passen, aber geschenkt: Nach all den Jahren starrer Lederjacke und Springerstiefel wollte man dem Herrn etwas Bequemlichkeit auf der alternden Haut vergönnen. Und auch wenn die Stimme nicht mehr die Kraft von früher hatte. Drauf geschi…

Wie hieß doch das Motto von damals: Punk‘s not dead!

Eben. So schaut`s aus!

Der Mix aus Alt und Neu auf meinem Plattenteller besteht im Monat Oktober aus folgenden Alben:

Der Nino aus Wien: ,,Der Nino aus Wien“
Yves Tumor: ,,Safe in the hands of Love“
Incognito: ,,Positivity“
Ennio Morricone: ,,We all love Ennio Morricone“