Juni 2018

Von Barkeepern, Pseudo-Experten und kleinen Gesprächs-Problemen

Im Hotel, besonders an der Bar - wo sich alle Gäste früher oder später zu einem Smalltalk-Cocktail einfinden und den Barkeeper in die unterschiedlichsten Diskussionen verwickeln - gibt es eiserne Gesprächsregeln: Politik, Religion und Sport sind für Mitarbeiter absolut tabu. Drink hin, Drink her, da kann man sich nur die Zunge verbrennen.

Auch ohne scharfe Longdrink-Zutaten!

Dazu sind die Meinungen einfach zu unterschiedlich.

Warum ich jetzt mit dem Thema komme?

Hallo liebe Leute, aufwachen, am Donnerstag den 14. Juni beginnt die Fußball-WM.

Und es herrscht: ACHTUNG: Diskussionsgefahr!

Im Gartner können die Spiele auf einer Riesen-Leinwand an der bereits erwähnten Hotelbar verfolgt werden, überall sonst auf der Welt im Stadion, auf der Wohnzimmercouch oder beim Public Viewing. Wenn Sie das nicht wussten, gehören Sie zur gefährlichsten Bar-Talker-Kategorie überhaupt. Dann sind Sie einer von den Menschen, die alle zwei (Europameisterschaft) bzw. vier Jahre (Weltmeisterschaft) eine Meinung zu einem Thema haben, von dem Sie nichts verstehen und dieses Unwissen auch eventuell noch gegenüber anderen Gästen kund tun.

In solchen Momenten kann es irgendwie echt blöd werden! Pseudo-Experten sind nämlich oft schwierig im Umgang. Und wir Hotelmenschen müssen uns Ihnen stellen! Man würde es gar nicht glauben, wie ernst die Leute die wichtigste Nebensache der Welt nehmen. Da heißt es im Dialog höllisch aufpassen. Und diplomatisch sein:

Deutschland? Finden wir natürlich super!

Italia? Che miseria…

Österreich? Mann, können die Ski springen…

Schweiz? Mann, können die Ski fahren…

Dann gibt es natürlich auch die echten Experten, die viel wissen und viel leiden. Besonders sie schreiben natürlich die Hotel-WM-Geschichten mit.

Beispiele gefällig?

Ich habe Menschen schon betend mit zum Himmel gestreckten Händen im Hotelgarten gesehen (WM 2006 Elfmeterschießen Deutschland-Argentinien). Ich habe Männer im Rentenalter gesehen, die wie Kinder weinten, als die Engländer von Chelsea den Bayern ihr ,,Finale dahoam” versauten. Ich habe nationenübergreifende Differenzen (Deutschland-Italien) erlebt, mit dem - wohlgemerkt missglückten - Versuch von Schweizer Urlaubern ihre legendäre Neutralität walten zu lassen. Ich war beim deutsch-deutschen Finale Dortmund-Bayern dabei, als innerdeutsche Welten auf britischem Terrain und an unserer Hotelbar aufeinanderprallten.

Ich war Tröster, Psychologe und Schiedsrichter. Immer vorsichtig, immer dezent, manchmal auch leicht emotional.

Und mein Barkeeper mixte die Drinks dazu!


Wer keinen Fußball mag kann im ,,Gartner” auch Musik hören:
Unter anderem von:

Natalie Prass: ,,Natalie Prass”
Grauzone: ,,1980-1982 Remastered Original Recording”
Brkn: ,,Einzimmervilla”
K.d.Lang: ,,Ingenue”
Drake: ,,Nothing was the same”
Escape-Ism: ,,Introduction to escape-Ism”
Confidence Man: ,,Confident music for confident people”