Oktober 2018

Schau mal, wer da klingelt: Schamlos in der Polit-Provinz

Heute schon fremdgeschämt?

Nein?

Bock drauf?

Ja?

O.K. Dann bin ich ihr Mann!

Also dann gleich in medias res: Aktuell läuft in Südtirol das Vorspiel zur Landtagswahl Ende Oktober. Potentielle Kandidaten/innen präsentieren sich - wie das allgemein so üblich ist - in Broschüren und auf Plakaten, strahlen mit Perlweiß-Zähnen in die Kamera und werfen mit gängigen Phrasen nach dem doof-unentschlossenen Wähler. So weit, so normal!

Lustig und richtig peinlich - je nach Humor - wird es aber wenn die Politiker versuchen originell zu werden. In Südtirol brechen da aktuell alle Provinz-Dämme.

Das erste Schock-Erlebnis hatte ich kürzlich frühmorgens, als ich noch schlaftrunken einem lokalen Radio-Sender lauschte. Mit einer Gitarre bewaffnet informierte ein Kandidat die Wählerschaft über sein Wahlprogramm: IN REIMFORM UND SINGEND! Als ich gerade drohte an meiner Zahnpaste zu ersticken bedeckte eine solche Schamesröte mein Gesicht, dass ich selbst fast zur politischen Litfaßsäule mutierte.

Folk für das Volk. Auweia, auweia, schlimmer geht’s nimmer!

Warum tut man sowas? Hat man die Kontrolle über sein Leben verloren? Zuviel Andreas Gabalier gehört? Enzian-Wurzeln gekaut? Apfelstrudel-Backpulver-Mischung gesnifft?

Ich weiß es nicht.

Während ich mich gerade über die Kloschüssel beugte, um im trüben Spülwasser die Antwort auf die Fragen zu suchen, setzte der nächste Kandidat via Äther noch einen drauf. Dieser äußerte sich nicht selbst, sondern ließ seine geliebte Angetraute für sich sprechen. Selbstverständlich äußerte sie sich nur in den höchsten Tönen über ihren Gatten und lobte seine vielen Vorzüge über den grünen Klee bzw. das edel weiße Edelweiß. Obwohl schon auch etwas irritiert, freute ich mich über diese aufrichtige alpenländische Liebe dermaßen, dass feine Tränchen über mein wie bereits erwähnt gerötetes Gesicht kullerten. Solche Treue gibt es nur im Land von Andreas Hofer und Luis Trenker!

Emotional aufgewühlt begab ich mich zur Arbeit, wo ich - wie jeden Tag - zuerst einmal meine lokale Tageszeitung konsultierte. Und da stand es. In großen Lettern: Landtagskandidatin besucht Wähler zwecks Polit-Talk zuhause! Zum zweiten Mal an diesem Tag verschluckte ich mich ganz fürchterlich. Diesmal an meiner Sojamilch und zwar weil mich ein starker Lachkrampf schüttelte.

Mannomann, politisch interessierte Menschen leben echt gefährlich.

Wie darf man sich den ,,Besuch der jungen Dame” in der Realität vorstellen? Bieder? Bringt sie selbstgebackene Kekse mit? Etwas verruchter? Erscheint Sie in Lack und Lederkluft? Volkstümlich? Im Dirndl? Liest Sie aus ihrem Wahlprogramm? Aus der Bibel? Aus den Parteistatuten?

Ich will es herausfinden. Ich glaube ich ruf die Frau an und lade Sie zu uns ein. Vielleicht wähle ich Sie sogar.

Ich bin nämlich Hotelier. Ich bin käuflich!

Selten so gelacht! Ich liebe Politik!



Mit Musik lässt sich vieles besser ertragen. Deshalb folgende Platten hören:

Cat power: ,,Wanderer”

Element of crime: ,,Schafe, Monster und Mäuse”

Eminem: ,,Kamikaze”