Juli 2018

Ohne Moos nix los: Geldvernichtung auf schwyzerdütsch

Haben Sie gerade in großem Stile geerbt? Etwas Kohle übrig? Wissen nicht wohin damit? Lust mal einen auf mehr oder weniger dicken Max zu machen?

Ich hätte da eine Idee.

Fahren Sie doch in die Schweiz. Flugs ein dickes Bündel Euros, Dollars, Franken oder sonst einen Stapel Scheine in eine Louis Vuitton-Tasche (des neureichen Stils wegen…) gepackt und ab über die Grenze. Mit ein paar Tausendern sollte ein kurzes Wochenende machbar sein. Hotel, bisschen shoppen und ein, zwei Gläschen Schampus…

Trinkgelder exklusive. Für selbige empfiehlt sich vielleicht ein kleines Gucci-Umhänge-Täschchen. Da kann man dann gleich mal nach den Mäusen greifen, diese weiterverteilen und im besten Fall ein klein bisschen Eindruck schinden.

Oder auch nicht.

Ich weiß wovon ich rede.

Vergangene Woche war ich nämlich seit langer Zeit wieder einmal beruflich in der Schweiz. Im Kanton Uri. Hotel-Business machen.

,,Schatz”, hatte ich vorher zu meiner Frau gesagt, ,,räum den Tresor leer, wir fahren in die Schweiz”. Tja, und das hatte Schatz dann auch gemacht.

Bei der Ankunft im Hotel ging es los. Mit der Geldvernichtung. Mit der Verschwendung.

Ich bat den Hotel-Portier mir unser Auto in die Tiefgarage zu fahren und steckte ihm generös einen 10 Franken-Schein zu. Ein wenig Freundlichkeit, große Anerkennung, maximalen Respekt.

Das sah der Mann aber anders. Sein Blick wanderte vom Schein zu mir und wieder zurück. Nach dem Motto: Das ist jetzt aber nicht dein Ernst. Du Südtiroler Geizhals! Für 10 Franken kriegt man im Land von Wilhelm Tell nicht mal einen ganzen Apfel. Und wer parkt schon ein Auto für ein halbes Obststück?

Und so ging es dann weiter und weiter und weiter und weiter…

Nach dem Genuss eines kleinen Mittags-Snacks - nachdem ich bei der Erhalt der Rechnung kurz zweifelte, ob ich jetzt das ganze Restaurant gekauft hatte - machten wir auf dem Weg zu unserem Geschäftstermin kurz in einer Boutique halt. Was Nettes für meine Frau wäre ganz schön gewesen. Die Betonung liegt auf WÄRE. Das anvisierte Kleidungsstück ging auch dann nicht in unseren Besitz über, als ich der etwas irritierten Verkäuferin das Hotel Gartner als Zahlung für den Stofffetzen in Aussicht stellte. Dafür gab es am nächsten Kiosk die neue Ausgabe der ,,Vogue” zum gucken.

Es sind schließlich die kleinen Dinge die zählen!

Nach getaner Arbeit und mehreren Besprechungen beschlossen mein Weib und meine Wenigkeit uns noch den Besuch des nahegelegenen Thermalbades zu gönnen. Für den Eintrittspreis wären wir in Meran Hauptaktionäre bei den heimischen Thermen geworden. Egal. Wer braucht schon Aktien.

So ging der Nachmittag schnell vorbei und unsere Mägen knurrten bedenklich. Mit einem weiteren Stapel Franken bewaffnet nahmen wir eine sehr kleine Vorspeise und ein miserables Süppchen zu uns und redeten uns den horrenden Preis schön, indem wir auf unsere abgespeckten Körper blickten, die nach einem Tag Schweiz schon deutlich an Gewicht verloren hatten.

Schlanker denn je traten wir die Heimreise an. Als wir über die Grenze zurück nach Südtirol fuhren, fühlte ich irgendwie eine (Geldbörsen-) Leere an und in mir. Und das trotz der beiden Tafeln Schweizer Schokolade, die wir unterwegs noch erworben hatten.


Nachdem ich keine Alphörner mag, hörten wir unterwegs:

Gorillaz: ,,The now now”
Uns: ,,Alles was wir machen ist Kunst”
Jungblud: ,,21st Century Liabilty”