Dezember 2018

Ich spiele so gerne Monopoly mit meinem Banker… solange ich nicht verliere

Ich mag Gesellschaftsspiele eigentlich ganz gerne. Habe ich immer mit meinen Kindern gespielt, bevor diese es bevorzugten in ein Game einzutauchen, das eher nachts abläuft und von lauter unergründlicher Musik untermalt wird. Besonders liebe ich Monopoly, ein Brettspiel bei dem - wie jeder zwischen acht und 99 weiß - mit Geld hantiert wird und die Kohle dafür verwendet wird Liegenschaften auf Straßen unterschiedlicher Wertigkeit zu erwerben. Später dann - je nach Fähigkeiten – fliegt man entweder auf die Schnauze (Verdammt, ich bin insolvent…) oder wird stinkreich. (Was kost die Welt - bin voller Zaster…)

Wie im richtigen Leben!

Da befinde ich mich -Spiel hin, Spiel her- im Moment.

Und es gibt Parallelen zu Monopoly. Vor allem was die Petunie anbelangt. Und wie sie ausgegeben wird.

Das Hotel Gartner wird, wie weltweit bekannt, gerade einschneidend und im großen Stile umgebaut. Tja, und da braucht es natürlich richtig Asche.

Meine Mitspieler sind dementsprechend keine Kinder mehr, sondern lustige Gesellen wie Banker, Baumeister, Architekten ,Techniker und andere Figuren, die ganz gerne in der Badstraße starten, dann über den Südbahnhof in der Seestraße landen und über Münchner und Berliner Straße (wo sie selbstverständlich einige Immobilen aufstellen möchten) Richtung Schloss-Allee sprinten. Dazwischen möchten alle gemeinsam möglichst das Gefängnis vermeiden und so wenig wie möglich Steuern entrichten.

Da sind wir uns aber sowas von einig!

Kleine Unterschiede zwischen Spiel und Wirklichkeit sind die Überraschungen die sich auf dem reellen Ereignisfeld abspielen. Wenn auf der Baustelle plötzlich Architekt und Vorarbeiter ihr Gesicht verziehen und hektisch auf die Aushubstelle deuten, klingelt sofort die Registrierkasse in mir. Das Adverb ,,Wieviel (mehr an Kosten)?“ lässt mich nachts schweißgebadet aufwachen. Unerwartete bauliche Veränderungen (,,Tut uns leid, damit war nicht zu rechnen… ,,Kann auf jedem Bau passieren…“ ,,Irgendwie blöd gelaufen…“), falsche Kalkulationen ( ,,Upps, ich glaube wir brauchen doch noch ein bisschen mehr an Eisen und Beton“) , bürokratische Amts-Schimmel-Reiter und der täglich wechselnde Bau-Zeitplan sorgen dafür, dass einem nie langweilig wird.

Geiles, prickelndes Spiel?
Nö, harte Wirklichkeit!

Unbedingt vermeiden sollte man in diesem Zusammenhang das Würfeln. Da gibt es gravierende Abweichungen zwischen Brettspiel und Realität. Habe große Zweifel, ob Schicksal und Glück alleine die besten Begleiter auf einer Baustelle sind. ,,Hard Facts“ sind da eher anzuempfehlen. (Sie merken schon, ich wachse auch sprachlich und unternehmerisch an meiner Aufgabe !!!!!!).

Wie sollte es auch anders sein, wenn mein momentan bester Freund der Geschäftsführer der örtlichen Bank ist, der so viel Flocken auf mein gebeugtes Haupt fallen lässt, dass ich aussehe wie die fleischgewordene Winterlandschaft. Ihn schließe ich jeden Abend in mein Nachtgebet mit ein. Ich mochte ihn schon immer richtig gut leiden, aber jetzt entdecke ich Facetten an ihm, die ihn zu meinem persönlichen Superhelden machen.

Aktuell sind wir auf unserem virtuellen Spielfeld noch auf der Seestraße kurz vor dem Elektrizitätswerk. Am Westbahnhof nehme ich dann den Zug zur Parkstraße. Kann ich mir gerade noch leisten.
Im Frühjahr starten wir gemeinsam mit unseren Hotel – Gästen:  Bei ,,Los“ natürlich.
Vollgas, Claro…!

Und dann beginnt das nächste Spiel!

Um den unmenschlichen, unglaublichen, hypergalaktischen Druck auszuhalten höre ich aktuell:
The Shame: ,,Songs of praise”
Annenmaykantereit: ,,Schlagschatten”
Udo Lindenberg: ,, MTV Unplugged 2-Live vom Atlantik“
Razorlight: ,, Olympus sleeping“
Will Oldham: ,, Songs of love and horror”
Clueso: ,, Handgepäck”
Thom Yorke: ,, Suspiria - Music for the Luca Guadagnino Film”