Januar 2018

Hast Du die Wahl sei nicht banal…

Neulich traf ich im Ort einen Bekannten und wir kamen so ins Plaudern über dies und das, über Familie, Urlaub, Wetter und natürlich auch über die Arbeit. Der Mann - Elektriker von Beruf - erzählte mir von seiner Tätigkeit auf verschiedenen Hotel-Baustellen. Plötzlich geriet der Handwerker, normalerweise eher von sanftem, ruhigen Wesen, total in Rage. ,,Ich kann sie nicht mehr sehen diese ewig gleichen Bauten. Fällt den Leuten denn nichts Neues ein? Und das Unwort des Jahres ist für mich der unsägliche ,Infinity Pool'. Jeder hat bald ein solches Becken. Interessiert das überhaupt noch jemanden?”

Der Mann tat mir richtig leid!

In erster Linie aus Menschenliebe, aber auch weil mein letzter Erste-Hilfe-Kurs schon einige Zeit zurücklag und dem sympathischen Handwerker augenscheinlich ein Herzinfarkt drohte, versuchte ich ihn gleichzeitig zu beruhigen und etwas abzulenken.

Das Mittel zum Zweck war ein Bauplan den ich in meiner Umhängetasche mit mir trug und den ich flugs auf offener Straße ausbreitete damit er als Seelentröster für den schwer angeschlagenen Mann dienen möge.

Auf dem Papier war eine spacige Plattform auf mehreren Beinen zu erkennen, welche sich um einen riesigen knallorangen Baumstumpfen schlang. Die runde Holzterrasse war von einem wilden Drahtgeflecht eingefasst. Das ganze sah aus wie ein gigantischer Adlerhorst. Der Knüller aber war ein großer Whirlpool in der Mitte der phantastischen Konstruktion.

Mit zittrigen Händen griff mein Bekannter nach dem Plan und sah mich mit geröteten Augen ungläubig an. Geifer tropfte aus seinen Mundwinkeln, während er ununterbrochen seinen Kopf schüttelte.

,,Was zum Teufel ist das für geniales Bauwerk?”, schrie der Handwerker. Wer hat das gezeichnet? Wo kommt das hin? Etwa gar in deinen Garten? Und wie heißt das Ding: ,The Guest-Nest'? Hammer!”

,,Ja, das ist unsere Idee. Wir werden den Whirlpool auf unseren Baum sezten”, erwiderte ich lächelnd und gemahnte den Mann zu etwas Zurückhaltung. Einige Menschen hatten sich nämlich ob seiner Begeisterung bereits irritiert in unsere Richtung gewandt.

,,F…, ich glaube es nicht!”, jubelte er weiter, jetzt wieder voller Lebensfreude. ,,Darf ich mich im Frühjahr mal in das Becken sezten?

Bitte, bitte, bitte…”

,,Natürlich”, antworte ich lächelnd meinem Bekannten, ,,kein Problem!”

Glücklich zog er - vor Freude immer wieder in die Hände klatschend - seines Weges.
 
Ich glaube ich habe ihm den Glauben an die Baukunst zurückgegeben.




In meinem Auto hörte ich glücklich folgende Alben:

Flut: ,,Nachtschicht”

Nic Cester: ,,Sugar Rush”

Calibro 35: ,,Traditori di tutti”

Loyle Carner: ,,Yesterday's Gone”

Cypress Hill: ,,The very best of”