Januar 2018

„Es geht eine Träne auf Reisen“ (frei nach Salvatore Adamo) oder „Der Niedergang des guten Geschmacks“

Ist Ihnen gerade langweilig, weil ihr Partner wieder mal müde vor dem Fernseher eingeschlafen ist. Läuft im Kino nur Müll? Können Sie die ewig alten Geschichten der zum Pflicht-Abendessen eingeladenen „besten Freunde“ nicht mehr hören und hilft auch eine Flasche hochprozentigen Alkohols nicht mehr, um die Stimmung zu verbessern?

Dann habe ich einen Tipp für Sie. Alles was sie brauchen ist:

Eine Fahrmöglichkeit, um den nächsten Flughafen zu erreichen

Einen i-pod mit richtig guten Tracks

Einen potenten Kopfhörer

Und dann geht es los zum „Human-Watching“ im Wartebereich des Flughafens.

Lerneffekt: eher gering

Spaßfaktor: sehr hoch

Fremdschämen: riesig

Kürzlich konnte ich dieser meiner Leidenschaft in Amsterdam frönen, während ich auf meinen Flug nach München wartete. Während sich gerade Galliano mit seinem Album „A joyful noise into the creator“ in meinen Gehörgängen austobte beobachtete ich amüsiert und entsetzt zugleich die Menschen um mich herum.

Unglaublich welch modischen Irrungen sich der „homo viator“ hingibt, sobald er ferne Länder ansteuert. Jogginghose, Sandalen, eigenartige Mützen und Kappen (Message: „Hey Leute, ich laufe das ganze Jahr mit Anzug rum. Jetzt darf ich es doch wohl auch mal gemütlich haben…“), Shorts und Flip-Flop auch im tiefsten Winter (Message: „Schaut her ich fliege ins Warme. Und Ihr müsst da bleiben. Ätsch-bätsch?…“), T-Shirts aus der längst vergangenen Jugend (Pink Floyd, Deep Purple, Nirvana… Message: „Ich bin zwar ein alter Sack, habe aber trotz dünnem Haar noch einen hohen Coolness-Faktor. Außerdem wäre ich auch noch verdammt sexy, wenn ich nicht so einen riesigen Bierbauch hätte…“).

Der Weg zum vollkommen hemmungslosen „Pyjama on tour“ ist auf jeden Fall nicht mehr weit!

Phantastisch auch sein Essverhalten, sobald sich der Mensch auf Reisen begibt. Mayonnaise - triefende Sandwiches („Diät mache ich, wenn ich wieder zuhause bin“), trockene Sushis (Der empfohlene Soundtrack dazu: „Tränen lügen nicht“, von Michael Holm wenn möglich in der japanischen Fassung), Croissants die jeden echten Franzosen zur Anwendung körperlicher Gewalt veranlassen würden und der gute, alte Dickmacher „Pizza Hut“ (viel Teig, wenig Belag, che bello.).

Während ich über die bedauernswerten Menschen hinwegstieg, die am Boden vor der Toilette lungerten, um dort an der letzten freien Steckdose ihre Handys aufzuladen (Obdachlose nach dem Börsencrash????) und im Duty Free Damen aus dem Rotlicht-Milieu (zumindest rochen Sie nach dem Gratis-Test von zwölf verschiedenen Parfüms so…) beim Kauf von Universalstecker (rotes Licht braucht eben überall auf der Welt den nötigen Strom…) beobachtete, bedauerte ich es plötzlich laut meinen Namen über die Beschallungsanlage des Flughafens zu hören.

„Herr Florian Gartner bitte kommen Sie dringend zum Gate B 28. Letzter Aufruf: Herr Florian Gartner, gebucht im Flug von Amsterdam nach München bitte unverzüglich zum Schalter B 28“.

Schade, ich hatte gerade angefangen, mich so richtig gut zu unterhalten.

Aber keine Sorge, ich komme mit Sicherheit wieder. Den Spaß lass ich mir nicht entgehen.


Der Flughafenaufenthalt und die angesprochenen Themen waren für mich wieder einmal Grund genug in meiner guten, alten Plattenkiste zu wühlen:

Empfehlenswert:  
Spliff: “Carbonara (e una coca cola”) aus dem Album  „85555”
Die Toten Hosen: „Eisgekühlter Bommerlunder…) aus dem Album „Bis zum bitteren Ende“
Udo Jürgens: „Aber bitte mit Sahne“ aus dem Album. „Meine Lieder 2“
Kraftwerk: „Das Model“
Right said fred: „I’m too sexy” vom Album „Right said fred”