September 2018

Bunte Vielfalt Südtirol: ,,Griiiß Gott” auf serbisch

Neulich war ich Motorrad fahren. Im Vinschgau. Mit meiner kleinen Tochter. Plötzlich gab es ein starkes Gewitter und wir mussten uns schnellstmöglich irgendwo vor dem Regen schützen. Die erzwungene Wahl fiel auf die Dorf-Bar in Naturns. Ich kannte das Lokal noch aus meiner eigenen Jugend, hatte es aber etwas aus den Augen verloren.

Wie sich herausstellen sollte völlig zu (Un-)Recht. (Zumindest was den Unterhaltungswert anbelangte…)

Abgesehen davon hatte es die Zeit mit der Bar nicht wirklich gut gemeint. Auch das Niveau der neuen Betreiber und des Publikums hatten - vornehm formuliert - etwas gelitten.

Lassen Sie mich erzählen:

Meine Tochter und meine Wenigkeit kamen also schon vom Regen aufgeweicht im Lokal an und freuten uns über das herzliche ,,Griiiiß Gott” der offensichtlich nicht ganz durch und durch einheimischen Bedienung, die uns zunächst etwas schmallippig, aber dann doch noch relativ herzlich nach unserem Begehren fragte und uns auf die in den kommenden zwei Minuten bevorstehende Schließungszeit der Bar-Küche hinwies. ,,Kiiche gleich weg”, sagte das blonde Wesen mit balkangefärbtem Timbre und holte sich gleichzeitig die zustimmende Anerkennung ihres Herr und Gebieters. Dieser - schmerbäuchig, durchtätowiert und mit dicker Goldkette geschmückt - räkelte sich gerade mit weit geöffnetem Hemd auf einem Barsessel im Eingangsbereich seines Etablissements, nickte einverstanden mit der umwerfenden Freundlichkeit seiner Premium-Mitarbeiterin und rauchte genüsslich eine Marlboro. Beim Inhalieren des Glimm-Stengels offenbarte der sympathische Barbetreiber eine Reihe wunderschöner Goldzähne, welche mit der nun wieder am Himmel leuchtenden Nachmittagssonne um die Wette strahlten.

Ich freute mich wahnsinnig über den internationalen Touch, den mein Heimat-Tal Vinschgau mittlerweile bekommen hatte und nur ein mahnender Blick meiner Tochter hielt mich davon ab, die netten Menschen welche meiner phantasievollen Vorstellung nach wohl der serbischen Gastro-Mafia angehörten, mit einem fröhlichen ,,dobrodosil” willkommen zu heißen.

Kulinarisch entschieden wir uns für eine Mikrowellen Lasagne und einen kleinen Salat, welche auch schnellstens auf unserem Tisch landeten. Wir waren von diesem flinken Südost-Service dermaßen angetan, dass wir noch einen Himbeer-Eisbecher bestellten, der ohne Himbeeren, dafür mit Tiefkühl-Waldfrüchten (da andere Beeren gleich schmecken wie Himbeeren, wie man uns höflichst kommunizierte) serviert wurde. Gratis bekamen wir obendrein einen wunderbaren Auftritt des Jugo-Chefs präsentiert, der mit einem Haifisch-Lächeln und einer gehörigen Portion Balkan-Charme einige Geriatrie-Damen aus dem nahen Altersheim umgarnte.

Wahrscheinlich gehören einige Naturnser Eigentums-Wohnungen demnächst einer Familie, deren Namen auf -ic endet. Aber das ist selbstverständlich bloß eine böswillige Vermutung meinerseits!

Es war ein schöner und spannender Aufenthalt in der kosmopolitischen Dorf-Kneipe. Vielleicht schaue ich demnächst mal wieder rein.

Oder ich fahre gleich nach Belgrad!


Auch musikalisch gibt es Neues zu berichten. Momentan drehen sich folgende Alben auf meinem Plattenteller:
Sammy Deluxe: ,,SaMTV Unplugged”
Idles: ,,Jo As An Act”
1000 Gram: ,,By all Dreams Necessary”
Marteria & Casper: ,,1982”
Meute: ,,Tumult”