November 2017

Grüße aus dem Untergrund: Nick Cave in concert

Mann, was bin ich geflasht! War gerade auf dem besten Konzert seit vielen Jahren: Nick Cave and the bad seeds. Warum es so cool war? Tja, das kann ich Ihnen erklären. Es war zugleich düster, traurig, melancholisch, wahnsinnig, pathetisch, leidenschaftlich, irritierend, euphorisierend und spielerisch. Alles klar?

Was ist das für ein Künstler!

Ein großartiger Abend!

Einfach nur Gänsehaut…

Seinen unglaublichen Facettenreichtum konnte Cave im Konzert eindrucksvoll bestätigen. Die Bühne war gleichzeitig Opernhaus, Theater und Kino. In der Hauptrolle jeweils natürlich der Meister himself. Die verschiedenen Etappen seines extremen Lebens fanden in den unter die Haut gehenden Songs ihren musikalischen Widerhall. ,,Stagger Lee“, ,,Mercy Seat“, ,,Skeleton Tree“, ,,Papa wont`Leave you,Henry““,,I need you“,,,Death is not the end“ und, und, und…

Und die australische Legende mit ihrer intensiven Drogenvergangenheit zeigte sich wandlungsfähig: Einmal düsterer Fürst der Finsternis, dann aggressiver Punker, zwischendurch verständnisvoller Menschenfänger und eleganter Gentleman, dann arroganter Superstar und abgespacter Rock-Alien. Trotz der vielen Rollen in die der Schauspieler und die Kunstfigur Cave schlüpfte und trotz der ständigen Kontaktsuche mit dem Publikum war allerdings die Hierarchie von Anfang an klar gegliedert:

Hier bin ich, dort seid ihr. Folgt meinen Worten, dann nehme ich euch mit auf eine Reise, die nahezu religiöse Ausmaße annehmen wird.

Und die unglaubliche Aura des begnadeten Sängers machte diese Inszenierung perfekt. Ob beim hysterischen Bad in der Menge oder der Einladung an die Fans, die Bühne zu stürmen: Die ,,Ich bin euer Gott“-Attitüde Caves wusste das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute zu fesseln.

Trauer, Freude, Angst und Liebe eines richtig großen Musikers erfüllten die Konzerthalle.

Und auch auf die Gefahr hin zu pathetisch zu wirken, ich hatte andauernd das Gefühl, einem Künstler dabei zuzusehen, wie er das Fenster öffnet, um dann dem Publikum einen Blick mitten hinein in seine Seele zu gewähren.

Sehr, sehr eindrucksvoll! Und ehrlich. Einfach nur schön.

Danke Nick!


 Neueinsteigern in die Welt Nick Caves seien die beiden letzten Alben ,,Push the sky away“ und ,,Skeleton Tree“ empfohlen.
Abgesehen davon drehen sich aktuell folgende Scheiben auf meinem Plattenteller:
Liars;,,Wixiw“
Sedlmeir:,,Fluchtpunkt Risiko“
King Krule:,,6 Feet Beneath the Moon“
Lambchop: ,,Thriller”