Dezember 2017

Das Christkind und Ich: Eine Weihnachtsgeschichte

Habe jüngst meinen inneren Modus auf die Weihnachtszeit umgestellt. Auf die fröhliche, selige, gnadenbringende Weihnachtszeit. Ein Blick auf den Kalender signalisierte mir zwar erst den 26. November, aber was soll‘s, der Weihnachtsmarkt in Meran hatte gerade geöffnet, (obwohl er gefühlt erst vor kurzem geschlossen hatte) und der Glühwein stand bereit, dazu spielte das für Musik zuständige Teil in meinem Hirn ununterbrochen „Oh Tannenbaum“, „Jingle bells“, „Last Christmast“ und ähnliche Gipfelstürmer der seelischen Weihnachtscharts, Carmen Nebel standin meinen (Alp)-Träumen auch schon für die Moderation bereit, also sagte ich mir: Worauf warten? Lasst uns loslegen.

Und genau das machte ich. Ich ging los. Zum Weihnachtsmarkt. Und sie werden nicht glauben, was ich dort erlebte.

Gerade als ich dabei war eine Schokobanane mit einem Apfelglühmix in mein Innerstes zu befördern, näherte sich mir ein zartes, blasses und blondgelocktes Wesen, das ob seiner leichten Sommer-Kleidung vor Kälte zitterte.

„Hey Alter, haste mal was zu rauchen, ich frier mir hier die Flügel ab“ sprach das Mädchen zu mir und blickte mit ihren roten, entzündeten Augen in meine schreckgeweiteten. Da meine Rauchervergangenheit schon einige Jahre zurückliegt und sich mein Drogendealer den Winter über immer auf den Malediven aufhält schüttelte ich bedauernd den Kopf.

„Shit!“ fluchte das Mädel zunächst etwas verärgert, fing sich aber relativ schnell und war offensichtlich weiter an meiner Gesellschaft interessiert. Nicht zuletzt um ein bisschen von sich selbst erzählen zu können.

„Nachdem die Weihnachtszeit jedes Jahr früher beginnt und später aufhört bin ich etwas aus der Zeit gefallen und bringe die Jahreszeiten immer mehr durcheinander. Dementsprechend auch die falsche Kleidung. Die Jetlags, die vielen Marketing-Termine, dann die ewigen Streiks des Flugpersonals, die verspäteten Landungen, all das geht mir schon gewaltig auf den Zeiger. Und an die Nieren“, erzählte das Christkind - denn genau darum handelte es sich bei meinem Gesprächspartner-mit schmerzverzerrtem Gesicht.

Als dann noch das i-Phone X des geflügelten Wesens läutete („Bei den ganzen Luxusgegenständen, die ich jedes Jahr transportiere, kommt man schon ein bisschen auf den Geschmack und auch ein Stück weit in Versuchung“ erklärte mir fast entschuldigend das etwas beschämt errötende und gleichzeitig heftig vor sich hin hustende Christkind „reloaded“) konnte ich auf dem Handy- Display das Foto eines langhaarigen Typen erkennen unter dem in großen Blockbuchstaben „CHEF“ stand. Während des mehrminütigen Gespräches, im Laufe dessen sich das etwas irritiert wirkende Mädel dauernd entschuldigte („Ja, ich weiß was das kostet“, „Habe nur eine kleine Pause eingelegt“, „Natürlich werden keine Überstunden bezahlt“, „Gewerkschaft? Niemals“, „Ach, bis 6. Jänner dauert das heuer in Meran? Super, für mich könnte es auch noch bis Juni gehen……“) erwarb ich eine Bratwurst mit Sauerkraut und schob sie dem Christkind gemeinsam mit einer Flasche Hustensirup hin.

Der Engel blickte mich erstaunt an, lächelte und freute sich einen so guten Menschen wie mich getroffen zu haben.

Als das Christkind schwer flügelschlagend wieder abhob (aus den Mundwinkeln hing ihm noch etwas Sauerkraut, was es irgendwie noch verletzlicher wirken ließ) winkte es mir zu und rief mir aus großer Höhe etwas zu, das ich leider nicht hören konnte.

Von ihren Lippen glaubte ich aber „Frohe Weihnachten“ gelesen zu haben.

Meine Lieblings-Weihnachtssong (viele sind es nicht…):
Florence & the machine: ,,Last Christmas”
2.Maroon 5 :,,Happy Christmas”
The Muppets: ,,All I need is love”
The Shins: ,,Wonderful Christmastime”
Mark Kozelek: ,,Christmas time is here”